„Werbeaktion“ von Neonazis in Gera und Ostthüringen

Protestbündnis „Herz statt Hetze“ ist empört über unbehelligten Aufmarsch
Am Samstag, den 22.04.17, um ca. 15:00 Uhr marschierten Neonazis der Partei „Der III. Weg“ in Geras Innenstadt, zuvor hatten sie einen mobilen Infostand aufgebaut. Allein das militante, uniformierte Auftreten mit NS-Symbolik ist ein Affront für die Demokratie und ein bitterer Vorgeschmack auf den 1. Mai. Am Rande der „Werbeaktion“ kam es zu einem gewalttätigen Übergriff auf einen Menschen. Informiert war offenbar nur die Polizei.

Aufmarsch von Neonazis am 22.04.2017 in Gera.


Obwohl es in der Stadt Gera eine Vereinbarung gibt, dass der/die Oberbürgermeister/in und zumindest die Fraktionsspitzen bei Anmeldungen von neonazistischen, verfassungsfeindlichen Gruppierungen informiert werden, ist das hier offensichtlich nicht geschehen. Schlimmer als eine „peinliche Panne“ wäre noch, wenn es eine Information in der Stadtverwaltung gab, diese aber unter Verschluss gehalten worden ist, um gesellschaftliche Reaktionen, wie eventuellen Gegenprotest, zu verhindern.
Das breit aufgestellte, überregionale Protestbündnis „Herz statt Hetze“, welches sich zum 1.Mai mit vielfältigen Aktionen und einem bunten Programm schützend vor die DGB-Veranstaltung stellen wird, ist empört. Noch während beim letzten Vorbereitungstreffen über die Sicherheit auf Geras Straßen gesprochen worden ist, konnten Nazis vom „III. Weg“ in Gera im wörtlichen Sinne „marschieren“ und reisten mit Aktionen durch Ostthüringen. Sicherlich wäre es gelungen, bei Kenntnis über dieser Aktivitäten, entsprechend zu reagieren und somit der völkisch-nationalistischen Propaganda nicht unbeantwortet den öffentlichen Raum zu überlassen.
Der Umstand um diese unbehelligte Aktion in Gera, reiht sich ein in den Zustand der Tatenlosigkeit der Stadtführung: so gab es keinerlei Reaktionen auf Anfragen nach einer Stellungnahme zu den Ereignissen rund um den 1. Mai in Gera. Die Zurückhaltung von öffentlich bedeutsamen Informationen, die mangelnde Kooperation über den „Runden Tisch“ und die restriktiven Auflagen durch die städtsichen Behörden gegenüber den Anmeldern/innen der Veranstaltungen zum 1. Mai, sind für die ehrenamtlich Engagierten eine Zumutung. Es besteht große Unsicherheit, ob es falsch verstandene „Neutralität“, Unvermögen in der Sache oder schlicht Haltungslosigkeit ist, die diesen blauäuigen Umgang mit NS-Verherrlichung und Rassismus erklären.
Was haben wir am 1. Mai in Gera zu erwarten? Können wir das möglich machen, was selbstverständlich wäre und mit vielen Geraern zeigen, wem diese Stadt gehört und wie wichtig echte Solidarität gegen die menschenverachtende und verfassungsfeindliche Hetze in dieser Zeit ist!? Die aktiven, demokratisch gesinnten Menschen in Gera sind mutig und entschlossen – es werden tolle Künstlerinnen und prominente Redner zu hören sein. Gera wird bunt sein. Die Stadt muss es nur wollen.
Wir rufen deshalb alle Menschen in Gera auf, sprecht mit euren Freunden und teilt den Protest in den sozialen Netzwerken. Redet mit den Abgeordneten, mit Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, mit euren Lehrern, Kollegen und Vorgesetzten, mit dem Ziel in den letzten verbleibenden Tagen für die verschiedenen Protestaktionen zu werben. Diverse Ankündigungen der rassistischen Partei, den 1. Mai aus den Händen der Gewerkschaften „entreissen“ zu wollen, sind nicht hinnehmbar.
Das Problem des organisierten Rassismus und der menschenverachtenden Hetze lässt sich nicht vertagen oder aussitzen, sondern verlangt hier und jetzt eine Antwort – von uns allen!
 

Mit „Herz statt Hetze“ in den Mai – Gera sagt Nein zu Rassismus

Protestbündnis unterstützt Gewerkschaft – Aufmarsch von Neonazis angekündigt
Gera – Es ist mehr als eine Provokation. Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, will die neonazistische Partei „Der III.Weg“ in Hör- und Sichtweite zur Gewerkschaftskundgebung des DGB aufmarschieren und mehrmals durch die Innenstadt demonstrieren. Schon ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass hier eine Bedrohungskulisse gegenüber gewerkschaftlich engagierten Menschen aufgebaut werden soll. Aber auch ein Blick auf die vergangenen Aufmärsche dieser „Partei“ machen die verfassungsfeindliche Ausrichtung deutlich. Wer sich mit den Hintergründen dieser selbsternannten „Kader-Truppe“ beschäftigt, wird auf die Versuche stoßen von Plauen und Bayern aus, auch in Thüringen mit „Stützpunkten“ Fuß zu fassen. In Sprache und Symbolik wird unverhohlen an die Ideologie des Nationalsozialismus angeknüpft. Obwohl es in der Stadt einen Runden Tisch gibt, in dem Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Verbände, Stadtfraktionen und Stadtverwaltung darüber diskutieren wie man Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus unterstützen kann, ist in diesem Gremium keine Information über die  gewerkschaftsfeindliche Gegendemonstration erfolgt. Erst durch die Ankündigung der Neonazis im Internet hat die Öffentlichkeit im Novemver 2016 davon erfahren. Bis heute ist niemand darüber in Kenntnis gesetzt worden, wo die Neonazis sich nun genau im Stadtgebiet entlang bewegen wollen.
Protestbündnis „Herz statt Hetze“
In einem gemeinsamen Zusammenschluss von Menschen, die in der Region leben und arbeiten, werden Handlungs- und Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen, um die Gleichwertigkeit aller Menschen zu schützen und sich dem Neonazi-Aufmarsch auf vielfältige Weise zu widersetzen. Der landesweiten Aufruf, dem sich bereits einige Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Vereine und Verbände angeschlossen haben, erfolgt in Kooperation mit der Vernetzung der Thüringer Bündnisse, Initiativen und Netzwerke gegen Rechts. Mit den verschiedenen Kundgebungen und Demonstartionen soll deutlich gemacht werden, dass die Mehrheit der Gesellschaft die Hetze der Rassisten und National(sozial)isten ablehnt und die Menschenwürde in den aktuellen politischen Auseinandersetzungen geschützt werden muss. Denn weder das Asylrecht, noch die Arbeitnehmerrechte sind verhandelbare Grundsätze für Freiheit und Demokratie.
Stadt Gera soll Rechtsmittel ausschöpfen
Das Versammlungsrecht ist ein hohes Gut und sollte nicht leichtfertig entzogen werden. Der Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai stellt jedoch nach Ansicht des Protestbündnisses eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar. Bei vergangenen Demonstrationen hatten die Rädelsführer keine Kontrolle über gewalttätige Versammlungsteilnehmer und die Polizei zeigte sich bei der An- und Abreise zum Teil überfordert. Die angekündigten Rede- und Musikbeiträgen lassen verfassungsfeindliche Inhalte erwarten, die zum Kampf gegen die Demokratie auffordern.Die Stadt Gera muss sich deshalb fragen lassen, was diese “Versammlung“ für die Einwohner und die Besucherinnen der Stadt, die an diesem Tag das DGB-Fest, das Hofwiesenparkfest oder andere Veranstaltungen in der Innenstadt besuchen wollen, bedeutet und was sie diesen Menschen zumutet.
Wir fordern die Stadt Gera auf, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, indem die Behörde ein fachlich fundiertes Verbot ausspricht oder zumindest durch sachlich begründete Auflagen Ort und Zeitraum der Neonazi-Kundgebung erheblich einschränkt. Wir erwarten von der Stadt, dass ein freier Zugang zu allen Veranstaltungen gewährleistet ist. Aufwendige Personenkontrollen und vergitterte Fußgängerwege, die den Zugang zu städtischen und gewerkschaftlichen Veranstaltungen einschränken, sind keine Lösungen.
Wir erwarten, dass die Stadt Gera, wie bei anderen Anlässen schon geschehen, Flagge zeigt. Denn die Art und Weise, wie die Stadt Gera mit Aufmärschen von Neonazis und Rassisten umgeht, wirkt sich unmittelbar auf das Zusammenleben und die politische Kultur in Gera aus. „Wo die Zivilcourage keine Heimat hat, reicht die Freiheit nicht weit“, sagte einst Bundeskanzler Willy Brandt und dies gilt heute umso mehr.

Aufruf: Gera am 1.Mai 2017 – Herz statt Hetze

Wir sind viele – wir sind eins! Für soziale Gerechtigkeit, die Gleichwertigkeit aller Menschen und eine weltoffene Gesellschaft. Das sind mehr als Worte.

Wie kein anderes Datum steht der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und ein würdevolles Zusammenleben. Seit über 120 Jahren demonstrieren Menschen für diese Werte und treten aktiv für deren Umsetzung ein. Unter dem Motto „Wir sind viele – wir sind eins“ wird der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auch in diesem Jahr wieder ein politisches Fest vor dem Kultur- und Kongresszentrum in Gera veranstalten.
Ebenfalls zu einer Demonstration hat sich an diesem Tag die Neonazi-Partei Der III. Weg angekündigt, um den 1. Mai als „Arbeiterkampftag“ für völkische Hetze zu vereinnahmen. Ziel dieses Aufmarsches ist, den öffentlichen Raum in Hör- und Sichtweite zur Gewerkschaft zu besetzen und sich als politische Macht zu inszenieren. In den letzten 20 Jahren wechselten die Neonazi-Akteure zwar ihr Auftreten in Ostthüringen, aber gerade in Gera haben die Aktivitäten eine hohe Kontinuität.
Unser Protestbündnis Herz statt Hetze ist ein Zusammenschluss von Menschen, die in der Region leben und arbeiten. Wir werden dabei unterstützt von Akteuren aus der Zivilgesellschaft, von Bündnissen und Initiativen gegen Rechts, von Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Vereinen und Verbänden aus Gera und ganz Thüringen. Mit unseren Ressourcen, Stärken und Talenten wollen wir auf vielfältige, kreative und friedfertige Weise unsere ablehnende Haltung gegenüber antisemitischen, nationalistischen und rassistischen Parolen deutlich machen. Wir tolerieren keinen Naziaufmarsch in Gera, weder am 1. Mai 2017, noch an einem anderen Tag.
Unser Handeln ist auf die Bewahrung der Grundrechte und die Verwirklichung der Menschenrechte ausgerichtet. Es ist für uns nicht hinnehmbar, wenn demokratie- und menschenfeindliche Gruppierungen und Parteien zu Gewalt gegen Flüchtlinge aufrufen, Hetzreden schwingen und somit den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft bedrohen. Es gilt heute mehr denn je: Keinen Fußbreit im öffentlichen Raum zu verschenken. Dabei begrüßen und respektieren wir die unterschiedlichen Aktionsformen – vom Zeichensetzen, über kreativen und lautstarken Protest bis hin zum zivilen Ungehorsam.
Wir rufen Euch auf – gemeinsam – Zivilcourage zu beweisen! Mit Herz statt Hetze eröffnen wir vielfältige Beteiligungs- und Handlungsmöglichkeiten und bieten dem Naziaufmarsch die Stirn. Zeigen wir den Rassisten, dass sie keine Chance haben!

Hintergrundinformationen

Kein „importiertes“ Problem – Neonazi-Szene in Ostthüringen
Bei den neonazistischen 1.Mai-Demonstrationen in Saalfeld (2015) und Plauen (2016) zeigte sich, dass die Anhänger der Partei Der III. Weg eine Eskalation mit Polizei und Gegendemonstranten bewusst in Kauf nehmen. So sind in Folge des Angriffs von dutzenden Schlägern auf drei Punks in Saalfeld mittlerweile einige Tatbeteiligte ermittelt worden. Der Prozess wird voraussichtlich 2017 vor dem Landgericht Gera verhandelt. Auch beim Aufmarsch in Plauen eine Gegendemonstrantin aus der Demo heraus von einem bekannten Neonazi schwer verletzt.
Die selbsternannte Kader-Organisation ist als Auffangbecken für das in Bayern verbotene und militante „Freie Netz Süd“ entstanden und zählt mittlerweile zum Kern der neonazistischen Szene in Deutschland. Seit 2016 existiert auch in Ostthüringen ein „Stützpunkt“ der Neonazi-Partei. Die zum Teil vorbestraften und polizeibekannten Anhänger der Partei beteiligen sich an rassistischen Thügida-Aufmärschen und führten mehrfach Infostände und Propagandaaktionen in Gera durch.
Ausgehend von den 1990er Jahren entstanden in Gera gefestigte Rückzugsräume für Neonazis, die von überregionaler Bedeutung sind. Hier befand sich, bis zum Verbot der Organisation, der Sitz des Schatzmeisters von „Blood & Honour“ und hier gründete sich deren Jugendorganisation „White Youth“. Während der NSU im Verborgenen Mordtaten begehen konnte, suchten andere Neonazis des „Thüringer Heimatschutzes“ den Weg in die verfassungswidrige NPD. Von 2003 bis 2014 wurden die Anhänger schließlich zu einem RechtsRock-Open Air mobilisiert, welches den Neonazis in Ostthüringen unter Ausnutzung des Versammlungsrechts eine feste Einnahmequelle sicherte.
In den vergangenen 20 Jahren wechselten die Neonazi-Akteure in und um Gera zwar ihre Namen und ihr Auftreten, aber die neonazistischen Aktivitäten haben gerade in Gera eine hohe Kontinuität. Damit muss endlich Schluss sein!
Aufruf PDF – Kurzversion
Aufruf PDF – Langversion

"Wir lieben Gera" – schlecht getarnte Nazis

Bärthel und Köckert bei der 2. Thügida-Demo in Erfurt 30.03.15

Bärthel und Köckert bei der 2. Thügida-Demo in Erfurt 30.03.15


Christian Bärthel ist eine weitere führende Figur hinter “Wir lieben Gera”, “Wir lieben Osthüringen” und “Thügida”. Als Redner tritt häufig als Redner bei Thügida-Aufmärschen in Erscheinung, mindestens ab dem zweiten Aufmarsch in Erfurt. Auch bei allen “Wir lieben Gera” Veranstaltungen war er stets neben David Köckert einer der Hauptredner. Er zeichnete sich verantwortlich für die Anmeldung des Thügida-Aufmarsches in Ronneburg am 28.09.15. Etwa 400 Menschen, darunter reichlich klar erkennbare Neonazis, folgten ihm und seinem Stargast, dem rechtsextremen Liedermacher Frank Rennike. Bärthel ist Ex-DVU Mitglied, Ex Mitglied der „Deutschen Partei“ (DP), deren stellvertretender Landesvorsitzender er in Thüringen war. Er war außerdem Mitarbeiter des NPD-Landtagsabgeordneten Peter Klose (Zwickau) bis 2009. Er vertritt die Reichsbürger-Ideologie, eine rechtsextreme Verschwörungstheorie, die Deutschland als Staat nicht anerkennt sondern stattdessen den Fortbestand des Deutschen Reiches proklamiert. Bärthel selbst nennt sich zeitweise „Staatsbürger und Sachwalter des Deutschen Reiches“. Als solcher lud er zusammen mit dem Rechtsextremisten Ittner im Mai 2004 zu einer „Reichsversammlung“ nach Nöbdenitz bei Altenburg in Ostthüringen ein, um dort „das weitere Vorgehen zur Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des Reiches“ zu besprechen. An der Veranstaltung nahm zum Beispiel auch Horst Mahler teil.
Nürnberger, Köckert (beide NPD) und Bärthel bei einer Demo in Weida im März

Nürnberger, Köckert (beide NPD) und Bärthel bei einer Demo in Weida im März


Bärthel hat bundesweite Kontakte und organisierte und besuchte geschichtsrevisionistische Veranstaltungen u.a. mit Horst Mahler, Ralf Wohlleben, Christian Worch, Gerd Ittner und Ursula Haverbeck. Der Altenburger Rechtsextremist Thomas Gerlach wurde im NSU Prozess nach der Bekanntschaft zu Bärthel befragt, sowie nach möglicher Mitgliedschaft Bärthels bei den „Nationalen Sozialisten Zwickau“. Zuletzt 2007 wurde Bärthel wegen Volksverhetzung verurteilt, aktuell laufen wohl weitere Ermittlungen, unter anderem wegen seiner Äußerungen beim Thügida-Aufmarsch am 20. April 2015 in Eisenberg, mit denen eher sinngemäß eine Internierung der Gegendemonstranten in Konzentrationslagern empfiehlt:
“Scheinbar scheint diesen hirnlosen Gestalten von der Gegenseite nichts anderes einzufallen als tief in die Mottenkiste der Lüge zu greifen um zur Lüge zu greifen, zu diffamieren, zu spalten.

Aber sie sind therapierbar. Die Methoden der Therapie möchte ich nicht hier öffentlich sagen. Aber wenn man weiß, dass auch 70 Jahre nach Kriegsende noch Überlebende von Arbeitslagern da sind, dann kann ich sagen, Arbeit hat noch niemandem geschadet.“
Bärthel bei einer der fremdenfeindlichen Demonstrationen in Tröglitz

Bärthel bei einer der fremdenfeindlichen Demonstrationen in Tröglitz


Im August 2014 besuchte Bärthel die Jubiläumsfeier für Geschichtsrevisionisten des „Verein Gedächtnisstätte“ im thüringischen Guthmannshausen, im Januar 2015 war er zu Gast auf einer Veranstaltung der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. In Weida trat er im März 2015 als Redner bei der sogenanntenBürgerinitiative gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Erscheinung. Auch beim zweiten Aufmarsch von „Endgame“ in Halle durfte er ans Mikro treten, um den inhaftierten Holocaustleugner Horst Mahler zu verherrlichen.
 
Bei den fremdenfeindlichen und von der NPD veranstalteten Demonstrationen in Tröglitz zu Jahresbeginn hat Bärthel mindestens 4x gesprochen. Wir erinnern uns: Wegen der Demonstrationen, des angeheizten Klimas, offenen Anfeindungen und Bedrohungen trat der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth zurück. Bärthel sprach seinerzeit bei den von den Rechten „Spaziergänge“ genannten Anti-Flüchtlingskundgebungen von „begattungsfreudigen Nordafrikanern, die uns hier belästigen“, und denen er eine „gute Heimreise“wünsche.
Compact-Plenum in Tröglitz: Bärthel, Elsässer, Poppenburg (AfD)

Compact-Plenum in Tröglitz: Bärthel, Elsässer, Poppenburg (AfD)


Am Ostersamstag gipfelte die Eskalation in einer laut Staatsanwaltschaft “besonders schweren Brandstiftung” in der geplanten Flüchtlingsunterkunft. Später wurde ein NPD-Sympathisant und Demo-Teilnehmer als Tatverdächtiger ausgemacht. Beim vom neurechen Querfront-Magazin Compact organisierten Compact-Plenum im Mai in Tröglitz saß dann neben dem rechten Querfront-Aktivist Elsäßer auch der geistige Brandstifter Christian Bärthel auf dem Podium.

"Wir lieben Gera" – schlecht getarnte Nazis.

Für den 10.10. mobilisiert die sogenannte Bürgerinitiative „Wir lieben Gera“ zu (laut Facebook) Jörg Krautheims Veranstaltung „Demo in Gera – 10. Oktober 2015 – Schluß mit dieser verfehlten Asylpolitik“.

Bewerbung der Demo 10. Oktober auf Facebook

Bewerbung der Demo am 10. Oktober auf Facebook


 
Jörg Krautheim? Den kennt man doch.
 
Jörg Krautheim zählt zu den Mitbegründern der 1993/94 gegründeten „Kameradschaft Gera“, die mehr als 50 Anhänger*innen hatte und eine wichtige Rolle beim „Thüringer Heimatschutz“ (THS) spielte. Zeitweise wurde der Zusatz Nationale Sozialisten verwendet. Im THS zählte Krautheim zu den führenden Kräften, er meldete Demonstrationen an und zeigte sich verantwortlich für mehrere Schreiben / Flugblätter. Der THS gilt heute Keimzelle des späteren rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU).
 
1997 wurde Krautheim NPD Mitglied, trat auf den Landeslisten der NPD zu diversen Wahlen an und gehörte ab 1999 auch dem Landesvorstand an. Krautheim gehört damit zu jenen, die Ende der Neunziger Jahre das Fundament für die bis heute andauernde enge Zusammenarbeit zwischen der NPD, den „Freien Kräften“ und der subkulturell geprägten Szene in Gera legten. Krautheim versuchte das Konzept vom „Kampf um national befreite Zonen“ umzusetzen.  Im Sinne von propagierter Einheit und Radikalisierung diente der Kreisverband der NPD als Wahl- und Aufmarschorganisation, während die Kameradschaft den inoffiziellen Ableger für halblegale Aktionen und Angriffe auf GegnerInnen darstellte.
Kurz bevor die Polizei 1997 in Heilsberg bei Saalfeld das größte je gefundene Waffenlager der Neonazi-Szene aushob verbarrikadierte sich Krautheim zusammen mit anderen THS-Kadern wie André Kapke in dem Szenetreff.
Gegen Krautheim und weitere Kameradschaftmitglieder wurde im Jahr 2000 nach einem Anschlag im Juni auf ein islamisches Gebetshaus in Gera ermittelt. Krautheim wurde in der Nähe festgenommen, im Prozess jedoch freigesprochen. Die Thüringer Allgemeine spekulierte danach über eine mögliche Tatigkeit als Informant des Geheimdienstes.
Später machte Krautheim mit seinen unternehmerischen Tätigkeiten von sich reden. Mit anderen betrieb er die „Aufruhr Versand GbR“, einen der damals bedeutendsten Neonazi-Versandhandel. Der Verkauf indizierter Frank Rennicke Tonträger brachte bereits 2001 Hausdurchsuchungen ein. Die letzte Durchsuchung blieb es nicht. Auch der Hack der Internetseite des Versandes im April 2006, bei dem
7500 Kundendatensätze erbeutet und ins Netz gestellt wurden, machte Schlagzeilen. Fatal, hatte Krautheim doch behauptet, es würden keine Daten online gespeichert. Später versuchte sich Krautheim als Kampfsport-Unterstützer und Hobbyfotograf. Öffentlich taucht er sporadisch bei regionalen Neonazi-Demonstrationen auf. So etwa auf den Ende 2014 von David Köckert organisierten Demonstration gegen ein Asylbewerberheim in Greiz-Pohlitz.
Der Thüringer Landesvorstand “Die Rechte”, 2.v.l.: Jörg Krautheim, 3.v.l. Bert Müller und 5.v.l. Michel Fischer

Der Thüringer Landesvorstand “Die Rechte”, 2.v.l.: Jörg Krautheim, 3.v.l. Bert Müller und 5.v.l. Michel Fischer


Ende 2013 nahm er an einem „Drei-Länder-Stammtisch“ mit „Die Rechte“-Mitgliedern aus Sachsen, Hessen und Thüringern teil. Zielstellung laut dem Bericht der Veranstalter soll eine Landesverbandsgründung in Thüringen sein. Und Tatsächlich: 2015 gründet sich in Thüringen ein Landesverband der Partei Die Rechte“.  Landesgeschäftsführer: Jörg Krautheim.
2. v.l. Jörg Krautheim (Die Rechte), 3.v.l. Markus Dettler, 4.v.l. David Köckert (NPD), 6. v.l. Sarah Schumann (Wir lieben Gera), 8. v.l. Hanjo Wegmann (NPD)

"Wir lieben Gera" : 2. v.l. Jörg Krautheim (Die Rechte), 3.v.l. Markus Dettler, 4.v.l. David Köckert (NPD), 6. v.l. Sarah Schumann (Wir lieben Gera), 8. v.l. Hanjo Wegmann (NPD)


 
Krautheim solidarisiert sich offen mit Horst Mahler und anderen Geschichtsrevisionisten. Es gibt Anzeichen, dass er neben anderen für die Inhalte von „Wir lieben Gera“ auf Facebook verantwortlich ist. Laut eigenen Aussagen und Fotos, gehört der umtriebige Neonazi zu den Organisatoren der sogenannten Bürgerinitiative.
 
 
 
 
 
Quellen: Facebook-Profile von Wir lieben Gera, David Köckert, Thügida, Wir lieben Ostthüringen, Der Rechte Rand, Blick nach Rechts, Mobit, Thüringen Rechtsaußen, Indymedia, Wikipedia, u.a.